Tablets im Koffer

Hersteller herkömmlicher Computer mussten in den letzten Jahren mit rückläufigen Verkaufszahlen kämpfen. Ursache hierfür ist nicht zuletzt die zunehmende Popularität mobiler Geräte wie z.B. Tablets. Auch mich überzeugten deren Vorzüge und ich möchte nicht mehr auf mein Tablet verzichten. Aus diesem Anlass stellte ich die Frage, wie diese Geräte auch für den Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden könnten.

Vielzahl möglicher Szenarien

Die Bandbreite an Möglichkeiten, die mir in den Sinn kamen, reicht von einzelnen Tablets für Präsentationszwecke im Unterricht über das Einrichten einer Tabletklasse bis hin zur Vollausstattung in Form eines Tablets pro Schüler. Bei der Entscheidungsfindung waren für mich letztendlich verschiedene Aspekte wichtig: Möglichst viele Schüler und Lehrer sollten davon profitieren. Die Realisierung sollte in überschaubarem Zeitrahmen möglich sein, um möglichst bald Erfahrungen sammeln zu können. Dazu mussten sich natürlich auch die Kosten im laufenden Haushalt unterbringen lassen.

Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung zugunsten eines Koffers mit einem Satz Tablets, der von den Lehrerkollegen gebucht und in den Unterricht mitgenommen werden kann. Dahinter steht die Idee, dass dieser die bereits vorhandenen Computerräume nicht ersetzen, sondern ergänzen soll. Dort dauert das Hochfahren der Computer und das Anmelden der Benutzer immer eine gewisse Zeit, die sich nur begrenzt verkürzen lässt. Dies fällt in einer Unterrichtsstunde, bei der der Computer über die gesamte Stunde verwendet werden soll, nicht zu stark ins Gewicht. Soll hingegen nur in einem Teil der Unterrichtsstunde z.B. eine kurze Internetrecherche stattfinden, ist dies zusammen mit dem Gang in einen der Computerräume zu (zeit-)aufwändig. Hier können Tablets, die nahezu sofort einsatzbereit sind, ihre Stärke ausspielen.

Betriebssystem

Auch wenn nun die grundsätzliche Richtung vorgegeben war, ging es mit einer ganzen Reihe an ausstehenden Entscheidungen weiter. Zuallererst musste geklärt werden, welches Betriebssystem es sein sollte. Hier bieten sicher Android als auch iOS die größte Vielfalt an Apps, aber auch Windows muss in die Überlegung mit einbezogen werden. Wer nun wirklich die meisten Anwendungen vorzuweisen hat, lässt sich nicht sicher sagen und scheint mir wohl auch etwas von der jeweils angeführten Quelle abzuhängen. Zusammenfassend scheint mir dies aber auch nicht wirklich entscheidend, da zu den meisten Themen vergleichbare Möglichkeiten existieren. Schließlich entschied ich mich zugunsten von Android, da ich persönlich hier bereits über eine größere Erfahrung verfüge und mir auch die Auswahl möglicher Geräte am größten erschien.

Hardware

Damit schloss sich die Auswahl der Hardware unmittelbar an. Da die Verwendungszyklen von Geräten bei uns aufgrund begrenzter finanzieller Mittel relativ lang sind, wollte ich nach Geräten mit austauschbarem Akku suchen. Aber leider wurde ich hierbei nicht fündig. Alle mir bekannten Hersteller produzierten zumindest zu diesem Zeitpunkt nur Tablets mit fest verbauten Akkus. Ein meiner Meinung nach fragwürdiger Umstand, der entweder die Kurzlebigkeit auf diesem Sektor noch zusätzlich steigert oder zumindest im Fall der Notwendigkeit eines Austauschs unnötige Kosten und übermäßig langen Nutzungsausfall nach sich zieht.

Vor diesem Hintergrund entschied ich mich für Tablets aus dem Hause Samsung. Diese Galaxy Tabs 4 10.1 WiFi sind aus obiger Sicht gewissermaßen 2. Wahl. Aber da es für deren Vorgänger im Netz verschiedene Anleitungen zum Thema Akkutausch und entsprechende Materialien gibt, hoffe ich auf eben solche auch für dieses Modell.

Zubehör

Ein weiterer Grund für die Auswahl des Tabletmodells besteht darin, dass es auch möglich sein sollte, bei Bedarf den Bildschirminhalt mit einem Beamer an die Wand zu projizieren. Dies ist bei den Galaxy Tabs kabellos möglich. Hierzu musste ich einen passenden Miracast-Dongle besorgen. Dabei war es mir wichtig, dass parallel zur Bildübertragung auch noch Netzwerkzugang per WLAN möglich ist. Dies konnte ich durch Versuche mit einem vorab gekauften Testgerät in Kombination mit einem Dongle aus dem Hause Asus sicherstellen.

Die technische Ausstattung musste noch um einen WLAN-Access-Point ergänzt werden. Da alle unsere Klassenzimmer und Fachräume über einen Netzwerkanschluss und bisher nur im Ausnahmefall über WLAN-Ausleuchtung verfügen, ist damit trotzdem überall der Zugang ins Hausnetz und ins Internet möglich. Hier entschied ich mich für ein Modell von Cisco. Ich war im Vorfeld vor allem darauf gespannt, ob das Gerät auch bei längerer Zeit ohne Stromanschluss seine Konfiguration behält. Dies hat sich bisher positiv bestätigt.

Als Letztes wäre noch der Koffer eine kurze Erwähnung wert. Ein einzelnes Tablet ist zwar relativ leicht, aber alle zusammen bringen schon ein paar Kilogramm auf die Waage. Daher wurde es ein rollbares Exemplar.

Eher hinter den Kulissen verrichtet schließlich noch eine spezielle Ladestation ihren Dienst, die es ermöglicht immerhin zehn Tablets in einem Durchgang zu laden. Dabei handelt es sich um ein Multidock von Griffin. Zwar ist diese Ladestation nicht gerade günstig, aber zum einen lässt sie sich bei Bedarf erweitern und zum anderen muss sich im Einsatz auch das Laden der Tablets möglichst einfach gestalten.

Software und Benutzerrechte

Nachdem die Hardware-Fragen geklärt waren, richtete ich mein Augenmerk auf einen weiteren Gesichtspunkt: Wie lassen sich die Rechte der Benutzer einschränken, so dass sie möglichst wenig Veränderungen am System durchführen dürfen?

Hier hatte ich die Konfiguration unserer Schüler-PCs vor Augen, die sich aufgrund ihres Software-Schutzes bei jedem Neustart wieder in den Ausgangszustand zurücksetzen. Leider musste ich bisher feststellen, dass dieses Ziel sich nicht in vollem Umfang erreichen ließ.

Kinderschutz als Tabletschutz

So machte ich meine ersten Tests mit einer Kinderschutz-App namens Kids Place. Dort lässt sich genau festlegen, welche Apps der Benutzer verwenden darf. Es kann auch eingestellt werden, dass der Desktop von Kids Place nach jedem Neustart wieder automatisch startet. Alles was nicht erlaubt ist, ist durch ein PIN geschützt und somit außer Reichweite der Schüler.

Auf diesem Weg konnte ich die meisten meiner Anforderungen erreichen. Aber letztendlich entschied ich mich zur ersten Freigabe des Tabletkoffers zur Nutzung durch Kollegen und Schüler für eine andere Lösung. Der Grund hierfür lag in meinem Wunsch nach einer zentralen Verwaltungsplattform für die Tablets.

Zentrale Verwaltung

Bei meinen Recherchen begegnete ich immer wieder Meraki von Cisco. Da dieser Anbieter damit wohl mehr als nur die Verwaltung mobiler Geräte im Blick hat, machte ich mich erst im zweiten Anlauf etwas genauer damit vertraut.

Im Meraki-Online-Portal lassen sich die Tablets relativ einfach registrieren. Hierzu muss auf dem Mobilgerät die Meraki Systems Manager-App installiert werden. Danach erfolgt die eigentliche Registrierung, bei der durch einen im Portal vorgegebenen Code sichergestellt wird, dass das neue Gerät auch dem richtigen Meraki-Kunden zugeordnet wird.

Für die Nutzung von Meraki ist eine (kostenlose) Registrierung nötig.
Für die Nutzung von Meraki ist eine (kostenlose) Registrierung nötig.

Alle so registrierten Geräte lassen sich mit Tags versehen, über die dann die Zuordnung aller in Meraki gemachten Vorgaben erfolgt. So kann z.B. eine App hier eingepflegt werden, die dann in Abhängigkeit der gewählten Tags nur zu bestimmten Tablets zugeordnet wird. Auch andere Einstellungen wie z.B. WLAN-Profile oder Apps lassen sich so verteilen.

Hier können Apps für die Installation auf den Geräten vorgeschlagen werden.
Hier können Apps für die Installation auf den Geräten vorgeschlagen werden.

Obwohl ich mich im Moment für diese Lösung entschieden habe, hat diese meiner Meinung nach noch viele Schwächen und viel Potential für Verbesserungen. So sind z.B. die Möglichkeiten, der Benutzerrechte einzuschränken für Android-Geräte noch sehr übersichtlich, so dass ich mir hier etwas anderes einfallen lassen musste. Aber dennoch habe ich zunächst vor, daran festzuhalten und damit auch etwas zu beobachten, welche Änderungen bzw. Verbesserungen sich in den nächsten Monaten noch ergeben.

Eingeschränktes Profil

Um dennoch hier den Schülern nicht alle Möglichkeiten für Manipulationen offen stehen zu lassen, habe ich jeweils einen zweiten Nutzer mit einem eingeschränkten Profil angelegt. Für diesen sind so zumindest eine Reihe an Einstellungen gesperrt und ich kann explizit vorgeben, welche Apps für ihn nutzbar sind. Dies ist sicher ein ganzes Stück weniger als meine ursprünglichen Ziele, aber ich werde es jetzt zunächst einmal auf diesem Weg probieren.

Der Home-Bildschirm des eingeschränkten Nutzers eines Tablets nach der Ersteinrichtung
Der Home-Bildschirm des eingeschränkten Nutzers eines Tablets nach der Ersteinrichtung

Netzwerk-Dienste

Auf Seiten des Netzwerks habe ich auch noch ein paar Dinge vorbereitet, um den Einsatz des Tabletkoffers mit einer Reihe an Möglichkeiten zu versehen. So habe ich einen transparenten Proxy mit Inhaltsfilter als wachendes Auge über die Verwendung des Internets durch Schüler eingerichtet.

Für den Dateiaustausch gibt es eine Freigabe auf einem NAS, das für Lehrer an den Schulrechnern automatisch eingebunden wird und auch von den Tablets aus zugänglich ist. Auf diesem Weg ist es möglich entweder Dateien für die Arbeit der Schüler bereitzustellen oder auch deren Arbeit wieder an zentraler Stelle speichern zu lassen.

Um gezielt Audio- und Video-Dateien den Schülern auf den Tablets zur Verfügung zu stellen habe ich noch einen Multimedia- bzw. Streaming-Server eingerichtet. Hier fiel die Entscheidung auf den freien MediaTomb. Dieser lässt sich recht einfach z.B. auf einem Ubuntu-Server installieren.

Zur Bereitstellung von Medien-Dateien habe ich an den Schulrechnern für Lehrer eine weitere automatisch eingebundene NAS-Freigabe eingerichtet. Auf dieses Laufwerk müssen die gewünschten Audio- oder Videodateien in eine vorgegebene Ordnerstruktur kopiert werden. MediaTomb scannt diese Freigabe in regelmäßigen Abständen nach Änderungen, so dass die Mediendateien dann im Netzwerk zur Verfügung stehen und bei Bedarf von den Schülern als Stream angehört bzw. angeschaut werden können.

Mit Spannung in die Zukunft

Alleine die Länge dieses Artikels zeigt, dass in diesem Projekt eine Menge an Arbeit steckt. Aber gleichzeitig bin ich sehr gespannt, wie dies in den nächsten Monaten und Jahren genutzt wird bzw. wohin der Weg geht. Im Moment beginnt es noch eher zögerlich mit ersten Versuchen einzelner Kollegen.

Die hier beschriebenen Entscheidungen sind zum jeweiligen Zeitpunkt nach längerer Abwägung getroffen worden. Sie stellen sicher nicht die einzige Möglichkeit einer Lösung. Bei Bedarf bzw. aus gegebenem Anlass werde ich sicher immer wieder Anpassungen und Ergänzungen vornehmen. Sollten diese grundlegender Natur sein, dann werde ich dies hier einpflegen und diesen Artikel entsprechend abändern. Daher lohnt es sich bei Interesse evtl. nochmals vorbeizuschauen.

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